Dienstag, 19. Februar 2013

Verkehrte Welt Guatemala City / Carneval in Mazatenango


Verkehrte Welt in Guatemala City

In diesem Blog erzähle ich von diversen lustigen Situationen und Frauengeschichten. Falls jemand findet, er habe bereits genug Frauengeschichten gehört, sollte besser nicht weiterlesen. Es ist einfach Tatsache, dass reisen oft mit Frauengeschichten zusammenhängt und da ich auch nur ein Mann bin, komme ich nicht um solche Geschichten. In meinem letzten Blog habe ich den Wunsch geäussert, eine Guatemalteca besser kennenzulernen. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich eventuell wieder in eine ziemlich verzwickte Situation gelandet bin und mich immer noch in Mazatenango befinde, drei Tage nach dem Karneval.

Antigua ist eine schöne Stadt. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, in dieser Stadt zu leben. In den Strassen trifft man sehr viele Menschen aus aller Welt. Es hat sehr viele Touristen und die Stadt ist von Vulkanen und Bergen umgeben. Da ich bereits einen Vulkan bestiegen habe, war dies nicht auf meiner To Do Liste. So wollte ich mehr ein paar Tage mit Party und Chill out verbringen und mich auf den Carneval in Mazatenango vorbereiten. Am zweitletzten Tag geschah es. Eine meiner verrücktesten Geschichten hat begonnen. Mit einem ziemlichen Kater durchstöberte ich mit einem Deutschen die Strassen von Antigua auf der Suche nach Essen. Dann stiessen wir auf zwei Mädchen, welche wir am Abend vorher kennengelernt hatten. Zugegeben, ich habe nur zwei Minuten mit einem der Mädchen getanzt und sie konnte sich aufgrund Trunkenheit nicht mehr an mich erinnern. Sie fragten dennoch, ob wir Lust hätten, einen Aussichtspunkt zu besteigen. Wir studierten nicht lange und nahmen das Angebot an. Wir hatten ein paar lustige und Interessante Stunden. Ich habe Merl danach gefragt, ob sie Lust hätte, mit mir am Abend essen zu gehen. Sie bejahte mit einem Lächeln und teilte mir mit, ich solle um etwa sieben Uhr den Chicken Bus nach nach Miraflor nehmen, dort warte sie auf mich. Miraflor, was für ein Name eines Dorfes, dachte ich. Müsste wohl ein kleines Dörfchen um Antigua sein. Noch kurz zu den Chicken Bussen. Diese Busse sind alte Schulbusse aus den Vereinigten Staaten, welche das Land Guatemala billig gekauft hat. Allgemein sendet die USA alles was für ihr Land zu alt ist nach Zentral- und Südamerika. So sind all die Abgasschleudern in Drittweltländern. In den Chicken Bussen ist es teilweise ziemlich gefährlich. Zwei meiner Freunde wurden in diesen ausgeraubt und es habe schon oft bewaffnete Überfälle gegeben.

So habe ich in dieser Nacht den Bus nur mit ein wenig Bargeld und ohne Ausweise oder Telefon bestiegen. Wir fuhren und fuhren. Nach einer Stunde habe ich mich sehr gewundert, wo wohl dieses Miraflor liegen könnte. Plötzlich lag eine riesige Stadt vor mir. Es war Zeit, mich zu erkundigen. Eine Person hat mir dann erklärt, Miraflor sei ein Teil von Guatemala City, einer Millionenmetropole, welche am nächsten Tag mein Ziel war. Oh mein Gott, wo bin ich nur gelandet. Ich habe etwas später Merl getroffen, wir gingen Essen, besuchten anschliessend eine Bar und landeten mitten in der Nacht in einem Autohotel. Merl musste aber um fünf Uhr den Bus zu ihrer Arbeit nehmen. So wartete ich als einziger Tourist am frühen Morgen in einer der gefährlichsten Städten Zentralamerikas auf einen Chicken Bus. Nach vielen Minuten kam er und ich fuhr zurück nach Antigua um meine Siebensachen zu packen, um wenige Stunden später wieder zurück nach Guatemala City zu gehen. So habe ich das echt nicht geplant, aber wenn man Marc Ruck heisst, gerät man halt in solche Situationen.

In Guatemala City habe ich Yoav, meinen Freund aus Israel, wieder getroffen. Zusammen erkundeten wir Guatemala City. Für mich ist Guatemala City ein von Touristen fast unberührter Fleck. Ich empfehle jedem, die Stadt für einen Tag anzuschauen. Wer bereits einen Monat in Guatemala herumgereist ist und die teilweise grosse Armut in den ländlichen Gegenden gesehen hat, wird verblüfft sein. Zona 10 zum Beispiel hat Dutzende riesige Gebäude. Holiday Inn, Hyatt, Hilton und all die grossen Hotels weilen dort. Man fühlt, man sei in den USA. Die herausgeputzten Strassen werden oft von Hummers, Escalades und ähnlichen Autos befahren. Es herrscht grosser Reichtum. In der Nacht sind wir in einem Club gelandet, welcher mir ziemliche Bedenken gemacht hat. Vor allem reiche Leute, teilweise ziemlich hässlich und dick tanzten dort mit Models und Escort Girls. Champagner und teure Alkoholflaschen gingen über den Tresen. Das Bier kostete gleich viel wie in der Schweiz. Gerne wollten wir mit einigen Mädchen tanzen. Diese teilten uns immer mit, dass sie sehr gerne mit uns tanzen würden, aber bezahlt werden, nur mit den reichen Leuten zu tanzen. Ich genoss nur ein einziges Bier und habe mich ziemlich ab dieser Gesellschaft gefragt. In anderen Teilen Guatemalas sterben Leute weil sie keinen Zugang zu Doktoren haben oder verhungern und in diesem Teil Guatemalas wird das Geld herumgeschleudert. Vermutlich werde ich diese Situation wieder antreffen in irgendwelchen anderen Grossstädten Zentralamerikas. Später in Mazatenango habe ich von zwei Leuten aus Guatemala City erfahren, dass dieser Club, genannt el Matador, ein Club von Narcos sei. Narcos sind diejenigen, die den Drogen- und Waffenmarkt zwischen Süd- und Nordamerika kontrollieren.

Carneval in Mazatenango

Mit Yoav ging ich dann am darauffolgenden Tag nach Mazatenango. Nach einer vierstündigen Fahrt erreichten wir die Stadt. Es schien, als seien wir die einzigen Touristen. Am ersten Abend besuchten wir einen Schönheitswettbewerb. Wir haben getrunken und uns mit Einheimischen unterhalten. Man hat uns vor den Kartellen und Narcos gewarnt, welche von Mexico und anderen Staaten Guatemalas für den Carneval nach Mazatenango gehen.

An den darauffolgenden Tagen besuchten wir den Carneval in Mazatenango. Meist haben die Paraden am Nachmittag angefangen. So waren wir immer etwas früher bereit, um uns einen guten Platz zu ergattern. Die Biere waren wie bereits in Flores nur fünf Quetzales, umgerechnet fünfzig Rappen teuer. Wir genossen die vielen verschiedenen farbenprächtigen Umzugsteilnehmer, liessen uns von diversen Familien und Einzelpersonen fotografieren und haben viel gefeiert. Viele Menschen in Mazatenango wollten Fotos von uns schiessen. Es ist wirklich alltäglich, dass hier Leute aus anderen Teilen der Welt erscheinen. Selbst die Schönheitsköniginnen haben uns um ein Foto gebeten. So etwas erlebt man in der Schweiz bestimmt nie. Wir konnten später ungestört noch einige Worte mit den Schönheiten wechseln. Es war ziemlich interessant. Es folgten Umzugsteilnehmer, weitere Familien, mehr Schönheiten und leider auch viele Schwule, welche mit uns aufs Foto wollten. Für einen Moment fühlten wir uns als Prominente. Richtig gehört, Schwule wollten uns auch ständig kennenlernen. Dies ist ein Nachteil, wenn man anders aussieht, wie alle andern. Ich habe nichts gegen Schwule und habe während meiner Reise auch viele Homosexuelle kennengelernt, welche wirklich cool waren. Aber wenn man von diesen Personen ständig angefasst und angemacht wird, fängt es mit der Zeit wirklich an zu nerven…

Die nächsten Tage haben wir Abwechslungsweise mit Karneval und im Park sitzen verbracht. Falls gerade kein Karneval war, haben wir uns ein Bier gekauft und haben unser Leben im gemütlichen Park genossen. Es kamen stets Personen, welche sich erkundigt haben, woher wir sind. Anzugsträger, Militärs, Schüler, Penner und zum Teil wirklich schöne Mädchen. Schöne Mädchen, ich komme wieder einmal zurück zum Thema Mädchen. Viele wollten uns besser kennenlernen und Facebook und Nummern austauschen.

Während ich diesen Blog schreibe, ist der Karneval bereits seit drei Tagen beendet. Ich befinde mich aber immer noch in Mazatenango. Was ist wohl passiert. Nein, es ist keine Alkoholvergiftung oder eine sonstiges Leiden. Ich habe ein supernettes und wunderschönes Mädchen am Karneval kennengelernt, welches ich nicht einfach so verlassen konnte. Ihr Name ist Alma. Sie hat mich auch gebeten, noch einige Tage zu bleiben.  Am zweiten oder dritten Abend habe ich Alma kennengelernt. Wir haben abgemacht, dass wir zusammen eine Parade anschauen werden. Gesagt getan, haben wir gemeinsam die Parade angeschaut. Am Abend besuchten wir zusammen ein Konzert. Dort hats gefunkt. Seit diesem Abend haben wir sehr viel miteinander unternommen. Dabei bin ich auch in eine lustige Situation geraten. Alma spielt Frauenfussball. Sie hat mich gefragt, ob ich gerne ein Spiel von ihnen anschauen möchte. So habe ich mich am einen Abend statt für Karneval für das Spiel entschieden. Ich habe aber verstanden, dass ich dort mitspielen werde. So bin ich mit Fussballausrüstung auf dem Platz erschienen. Alle haben sich gefragt, wieso ich mit Fussballausrüstung erschienen bin. Sie haben mir später erklärt, dass ich nur Zuschauer war. So musste ich mir ein Frauenfussballspiel, welches mehr als eine Stunde gedauert hat, anschauen. Ich denke aber, Alma hat dies sehr geschätzt. Sie hat mir auch versprochen, dass ich an einem anderen Tag auch mitspielen darf.

So vergingen die Karnevaltage. Meine Freunde Yoav und Jonas, welcher später ebenfalls zugestossen ist, verliessen Mazatenango. Ich bin zur Zeit in einem ziemlichen Wirrwarr von Gefühlen. Ich weiss nicht, wie es um mich und Alma steht. Ich möchte auf eine Art weiterreisen, auf die andere Art aber noch einige Zeit hier verbringen. Dazu kommt, dass mein Konto langsam zu Neige geht. Dieses Problem muss ich wohl zusätzlich in den nächsten Tagen in Angriff nehmen und mir überlegen, was ich tun soll. Ich werde jetzt aber noch einige Tage die Zweisamkeit mit Alma geniessen. Es wird aber ziemlich hart werden, sie zu verlassen...









Montag, 4. Februar 2013

Geldprobleme/neuer Haarschnitt, neue Kamera

Geldprobleme

Nach Semuc Champey musste ich einen Zwischenhalt in Coban machen. Ja, einen Zwischenhalt sollte es werden. So fängt das erste schlechte Erlebnis an. Mit umgerechnet vier Franken erreichte ich den Ort. Schnell suchte ich einen Geldautomaten auf. "Leider sind keine Transaktionen möglich, bitte kontaktieren sie ihre Bank!" Es war nicht das erste Mal, dass ich Probleme mit der Kredit- und Bankkarte hatte. So ärgerte ich mich umso mehr. Gott sei Dank haben mir meine Eltern via Western Union ausgeholfen. Vor einigen Jahren hatte ich einen Skimming Fall. Seit daher sind die Sicherheitsvorkehrung bezüglich meiner Kreditkarte ziemlich hoch. Ich habe aber meiner Bank mitgeteilt, dass ich in der Weltgeschichte herumreise. Darum frage ich mich sehr ab Kommentaren wie die Kreditkarte ist gesperrt weil wieder ein Skimming Fall vermutet wird.  Dank meinen Eltern konnte ich dann schliesslich weiterreisen.

Nächstes Ziel war Huehuetenango. Die Strassen sind schlecht in Guatemala. Aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Fünf Stunden Schlaglöcher und keine normale Strasse in Sicht. Mein Hintern schmerzte nach dieser Fahrt sehr. In Huehuetenango dann habe ich umgerechnet fünf Minuten verbracht. Es gefiel mir dort überhaupt nicht und nahm den nächsten Bus nach Quetzaltenango, Kurzwort Xela. In Xela angekommen ruhte ich mich ein wenig aus und wer kam da zur Türe rein. Meine altbekannten Freunde Chris und Sam aus England. Zusätzlich machte ich die Bekanntschaft mit Yoav aus Israel. Mit ihnen hatte ich eine super Zeit in Xela. Wir gingen aus und hatten  immer noch die Hoffnung, endlich mal eine Guatemalteca kennenzulernen. Neben dem Ausgehen und dem Biertrinken bestiegen wir einen Vulkan. Wir machten eine Vollmondtour. Mitten in der Nacht bestiegen wir in vier Stunden den Vulkan Santa Maria. Null Grad schrieb das Thermometer oben auf dem Vulkan. Leider hatte nicht genügend warme Kleider dabei und fror dabei sehr. Die Aussicht auf den aktiven Vulkan aber liess die Kälte vergessen. Noch nie sah ich einen aktiven Vulkan. Dazu kam der Sonnenaufgang, herrlich.

Nach Xela folgte der nächste Ort, San Pedro la laguna. Ein wunderschöner Ort am Lake Atitlan. Dort traffen wir weitere Freunde aus älteren Zeiten und hatten wieder eine super Zeit. Nach einigen Tagen aber musste ich diese Sündenstadt verlassen. Der Ort war eigentlich nur gut für Partys und Chill out. Diese beiden Freizeitvertriebe fressen sehr viel Geld. Darum verliess ich den Ort und meine Freunde nach fünf Tagen. Diese wollten dort noch viele Tage mehr verbringen.

Neuer Haarschnitt, neue Kamera

Nun bin ich in Antigua, ein wunderschöner antiker Ort. Heute habe ich mir eine neue Kamera gekauft mit der Hoffnung, dass sie nicht gestohlen wird und keinen Partys zum Opfer fällt. Manchen Personen mag aufgefallen sein, dass mein Haar ziemlich lang wurde und ich wie ein Löwe aussah. Auch dieses Problem ist erledigt. Ich habe mir die Haare schneiden lassen, für umgerechnet drei Franken. Das einzige Problem, welches zur Zeit noch im Raum steht, ist der Wunsch, eine Guatemalteca kennenzulernen. Die Mädchen aus Guatemala sind im Gegensatz zu Mädchen aus Mexico nicht leicht kennenzulernen. Sie meiden oft den Kontakt mit Ausländern. Einheimische haben mir erklärt, Guatemaltecas möchten keine schnelle Sachen, sie suchen eigentlich meist nach der Liebe des Lebens, oft verbunden mit Heirat und Kindern. Wie unterschiedlich Kulturen doch sein mögen.

Nächstes Ziel ist Carneval in Mazatenango. Dies soll der grösste Carneval in Guatemala sein. Ich vermisse die Fasnacht sehr. Gerne wäre ich in diesen Tagen mit meinen Freunden und Freundinnen meiner Guggenmusik unterwegs. Seit sechs Jahren jedes Jahr ein Highlight. Dieses Jahr kann ich nicht dabei sein. Darum freue ich mich umso mehr, eine neue Form von Carneval kennenzulernen. In Mazatenango werde ich drei Freunde aus Deutschland, Frankreich und Australien wiedersehen. Mit ihnen hatte ich immer sehr viel Fun. Leider trennten uns die Wege ständig.